Das Wort "Golem" (גולם) steht im Hebräischen für "formlose Masse", "ungeschlachter Mensch", aber auch für "Embryo" oder "ungeborene Form" (Psalm 139,16); im Allgemeinen für etwas körperlich oder geistig Grobgeformtes, Unfertiges oder Unvollständiges, u. a. auch dumme oder unkultivierte Personen.
Die ersten Erwähnungen, in denen dieser Begriff Verwendung fand, sind seit dem frühen Judentum im Mittelalter schriftlich belegt. Unter anderem findet sich im Talmud eine Passage, in der das Wort bei der Beschreibung von Adams Schöpfung benutzt wird (Traktat Sanhedrin 38b). Im Sefer Jetzira (Buch der Schöpfung) würde gemäß einer Abhandlung aus dem 12. Jahrhundert ein Ritual beschrieben, mit dem man mit einer mystischen Kombination von Zahlen und Buchstaben unbelebte Materie zum Leben erwecken könnte.
Die Legende um den Prager Golem[]
Eine Golem-Souvenirfigur
Rabbi Elijah Ba'al Shem von Chelm (1550-1583) gilt nach diversen literarischen Beschreibungen aus dem 17. Jahrhundert als der erste Erschaffer des prototypischen Golems, einer aus Lehm erschaffenen Figur, der auf mystische Weise Leben eingehaucht wurde.[1] Populärer hingegen wurde die Legende um den Golem von Prag und dessen Schöpfer, den Rabbiner Judah Löw (1525–1609), die erstmals 1836 in der Oesterreichischen Zeitschrift für Geschichts- und Staatskunde erwähnt wurde.[2] Gemäß dieser Geschichte erhielt Löw eine göttliche Vision, die ihm das Wissen zur Erschaffung eines Golems verlieh, um seine Glaubensgenossen vor den Anfeindungen der Christen in Prag zu schützen. Mit der Hilfe seines Schwiegersohns und eines Schülers erschuf er eine drei Meter große, menschenähnliche, aber geistlose Figur aus Lehm, die er "Joseph" taufte und den er nutzen wollte, um Übeltäter zu ertappen, die absichtlich tote Kinder ins Prager Judenviertel schmuggelten, um den Ansässigen die Schuld an Kindermorden für rituelle Zwecke in die Schuhe zu schieben.
Um den Golem zu aktivieren, musste ihm ein Zettel mit dem Namen Gottes unter die Zunge gelegt werden. Dieser Zettel wurde am Freitag entfernt, damit der Golem nicht gegen das Sabbatsgebot verstoßen sollte. Eine andere Version der Geschichte hingegen spricht von einem "Siegel der Wahrheit", einem Wort, das dem Golem in die Stirn gezeichnet wurde. Dieses Siegel ist das hebräische Wort für "Wahrheit" ("AMT"; transkribiert "EMETh"); entfernt man den ersten Buchstaben, formt sich daraus das Wort "MT" (transkribiert "METh"), das hebräische Wort für "Tod", was den Golem stilllegte.
Schließlich, etwa im Jahr 1593, wurde der Golem von Rabbi Löw zerstört. Es gibt widersprüchliche Angaben für den Grund; in einigen Quellen heißt es, der Golem sei in Raserei verfallen oder habe einen Befehl nicht sinngemäß ausgeführt; in einer anderen Schilderung steht geschrieben, dass nach einem Versprechen von Kaiser Rudolf II. die Verleumdungen gegen die Juden für gesetzeswidrig erklärt wurden und Löw daher keine weitere Verwendung für den Golem sah. Die zerfallenen Überreste des Golems wurden von Löw im Dachboden der Prager Synagoge versteckt, wo die deutschen Invasoren sie während des Zweiten Weltkriegs angeblich vorgefunden haben sollen.
In der Populärkultur[]
Darstellung eines Lehmgolems aus dem Rollenspielsystem Dungeons & Dragons (5. Edition)
Während der Ära der deutschen Romantik wurde der Begriff Golem meist im negativen, antisemitischen Sinn oder als Zerrbild verwendet. Gustav Meyrink schrieb 1915 einen Roman mit dem Titel Der Golem, in dem der Golem jedoch als eine Geistergestalt dargestellt wird. Karel Čapek griff die Legendengestalt des Golems für sein Schauspiel R.U.R. auf, das seinerseits den Begriff "Roboter" für einen künstlich geschaffenen Maschinenmenschen popularisierte.
In der modernen Popkultur sind Golems vor allem durch Fantasy-Rollenspiele bekannt, in denen sie meist als Gegnerfiguren auftreten, die von mächtigen Zauberern und Priestern aus allen möglichem Materialien erschaffen werden können.
↑Moshe Idel: Golem: Jewish Magical and Mystical Traditions on the Artificial Anthropoid, S. 296. Albany, New York: State University of New York Press (1990).
↑Auszug aus dem Digitalarchiv der Bayrischen Staatsbibliothek